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„Ich hätte nicht gedacht, dass das Vernichtungslager so riesig ist.“ - Schulgemeinschaftsfahrt der Realschule Lichtenau nach Berlin, Auschwitz und Krakau

In diesem Jahr fand zum zweiten Mal an der Städtischen Realschule eine Studienreise nach Berlin-Auschwitz-Krakau statt. Geplant und durchgeführt wurde diese Schulfahrt von Lehrerin Carmen Daldrup und Konrektor Jürgen Franke als freiwilliges Angebot für Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10, für Lehrerinnen und Lehrer sowie für interessierte Eltern.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor einer Synagoge im Kazimierz, dem ehemaligen jüdischen Viertel Krakaus

Das Konzentrationslager Auschwitz, das ca. 60 km westlich von Krakau in Polen liegt und bis heute in großen Teilen erhalten ist, war das größte nationalsozialistische Vernichtungslager. Es wurde 1940 auf Befehl von Heinrich Himmler zunächst als Arbeitslager errichtet und diente ab 1941 als Vernichtungslager, in dem etwa 1,1 Millionen Menschen in den Gaskammern, durch Misshandlungen, medizinische Versuche oder Zwangsarbeit ermordet wurden. Auschwitz wurde zum Symbol für den größten Völkermord in der Geschichte der Menschheit, der je erdacht und verwirklicht wurde.

Eingebettet war die Schulgemeinschaftsfahrt in eine vor- und nachbereitende Arbeitsgemeinschaft, in der die Schülerinnen und Schüler auf das Thema der Fahrt „Auschwitz – Ein Synonym für Holocaust und Massenmord“ vorbereitet wurden und die die Eindrücke und Erfahrungen mit Blick auf die eigene Zukunft reflektierte.

Erste Station der der Gruppe war Berlin, wo das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, besser bekannt als Holocaust-Mahnmal, besucht wurde. Zudem besichtigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Ausstellung im „Ort der Information“, welcher sich unter dem Stelenfeld befindet.

Nach einer Zwischenübernachtung in Breslau erfolgte am nächsten Tag die Weiterfahrt nach Auschwitz – dem Symbol des nationalsozialistischen Terrors und des Völkermords. Hier wurde zunächst das ehemalige Stammlager in einer kommentierten Führung besichtigt und am späten Nachmittag stand das Thema „Jüdisches Leben in Oświęcim“ auf dem Programm. Die Mitfahrenden lernten die Synagoge mit angeschlossenem Museum kennen und gewannen Einblicke in die Geschichte, Kultur und Religion der jüdischen Gemeinde in Oświęcim.

Am zweiten Tag in Auschwitz besuchte die Gruppe das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Wie schon am Tag zuvor bei der Führung durch das Stammlager war den ernsten Gesichtern aller Beteiligten die große Betroffenheit angesichts der ungeheuren Dimension des Vernichtungslagers und der grausamen Brutalität, mit der der Massenmord durchgeführt wurde, anzusehen. Am Nachmittag des gleichen Tages fand ein Zeitzeugengespräch mit Herrn Professor Dlugoborski statt. Der heute 91-Jährige war als Siebzehnjähriger nach Auschwitz deportiert worden, weil er der polnischen Heimatarmee angehörte und Widerstand gegen die deutsche Besatzung leistete. Nach der Befreiung des Konzentrationslagers und dem Ende des Zweiten Weltkrieges studierte er Geschichte und wurde Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Er berichtete den Anwesenden sehr eindringlich von seiner zweijährigen Lagerhaft und stand den Schülerinnen und Schülern, den Eltern und Lehrerinnen und Lehrern anschließend für weitere Fragen zur Verfügung. Das Gespräch mit dem Zeitzeugen gab der Reise etwas Einmaliges. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Überlebenden wird es zukünftig kaum noch möglich sein, solche Gespräche zu führen. Am Abend wurden die bisherigen Eindrücke in einer Gesprächsrunde mit den Lehrern reflektiert. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich betroffen von der Größe und dem Ausmaß der SS-Tötungsmaschinerie. Die Fotos und Familienbilder der Opfer sowie die Berichte über Einzelschicksale führten den Jugendlichen vor Augen, „wie viele Individuen, wie viel Kultur und Menschlichkeit getötet bzw. zerstört wurden.“ (Zitat eines Schülers)

Am Sonntag, dem vierten Tag der Studienreise, ging es weiter nach Krakau, Polens heimlicher Hauptstadt. Dort besuchten die Teilnehmer die ehemalige Emailwarenfabrik von Oskar Schindler, in dem heute ein Museum untergebracht ist, das sich mit der Besatzung Krakaus durch die Nationalsozialisten, dem Schicksal der Juden im Krakauer Ghetto und dem Arbeitslager Plaszow beschäftigt. Danach hatten alle Mitreisenden erst einmal Gelegenheit etwas durchzuatmen und die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Am Nachmittag entdeckte die Gruppe das jüdische Viertel Kazimierz mit den erhaltenen Synagogen und dem jüdischen Friedhof. Der Tag endete bei einem Essen in einem jüdischen Restaurant und einem Klezmer-Konzert.

Sicherlich sind die Eindrücke bei jedem Teilnehmer individuell sehr verschieden. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie mit großem Respekt und großer Empathie den besuchten Orten begegnet sind und dass die Bilder und die gehörten Geschichten in den Köpfen noch lange nachwirken werden.

Möglich wurde diese Fahrt unter anderem auch deshalb, weil sie von der Karl-Arnold-Stiftung, der STIFTUNG Erinnern ermöglichen, der Volksbank Lichtenau, dem Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn sowie dem Förderverein der Realschule Lichtenau organisatorisch und finanziell unterstützt wurde.

Annika Sindermann, Luisa Agethen und Justus Ernesti bei einer Gedenkminute an der Todesmauer im Stammlager Auschwitz

Teilnehmerinnen und Teilnehmer während einer Führung durch das Vernichtungs-lager Auschwitz-Birkenau